Schroffe Herablassung statt dankbarer Großzügigkeit: Unsere Gesellschaft hat verlernt, mit dem uralten Gewerbe des Bettelns angemessen zu leben.
Nein, sagen die Besorgten, sie gäben diesen Leuten nie etwas. Das seien doch alles nur Mitglieder wohlorganisierter Banden aus Rumänien. Und wenn nicht, dann die würden sie alles doch nur vertrinken. Honorige Bürger bekommen bei diesen Worten oft einen ganz steifen Schritt und blicken starr nach vorne, um ja nicht vom Anblick der kauernden Gestalt am Wegesrand irritiert zu werden.
Wenn die Rechtschaffenen dann am Abend ihre Spätlese entkorkt oder den Gin Fizz gemixt haben, sind sie gerne bereit, zu erläutern, warum man den Bettlern eigentlich nie etwas geben darf: Die einen seien Sklaven gerissener, halbkrimineller Ausbeuter, die zu unterstützen frevelhaft sei. Und dann der Alkoholismus. Man werde und dürfe nicht dazu beitragen, dass die Elenden ihr Schicksal durch exzessiven Genuss minderwertigsten Fusels noch verschlimmerten, dass zum materiellen Unglück noch die dumpfe Verworfenheit des Drogenkonsums trete. Ach ja, wenn die sich eine heiße Suppe kauften oder ein Schwarzbrot… Weiterlesen bei süddeutsche.de