Europa und der Stier XXVI – Was geschieht am Balkan?
Montag, August 9th, 2010Dr. Vedran Dzihic im Gespräch mit Richard Richter
Hier können Sie die einzelnen Sendungen unserer Fernsehreihe “Europa und der Stier” ansehen, die in Wien im Fernsehsender “Okto” ausgestrahlt werden. “Europa und der Stier” wird von “Sozialwort-TV” produziert, einer ökumenischen Plattform, an der die Katholische Aktion der Erzdiözese Wien, die Evangelische Diakonie sowie die Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe) mitwirken.
Dr. Vedran Dzihic im Gespräch mit Richard Richter
Univ. Prof. Dr. Gerhard Jagschitz im Gespräch mit Richard Richter
Univ. Prof. Dr. Gerhard Jagschitz, Historiker für Zeitgeschichte an der Universität Wien, betonte im Rückblick auf die dramatischen Ereignisse des 20. Jhs, dass dieses nicht ohne das 18. und 19. Jh. zu verstehen sei. Die Entwicklung zur Demokratie, Erfindungen, technische Errungenschaften, Emanzipationsbewegungen und das steigende Selbstbewusstsein von Nationen schafften Unruhe, Umbrüche und den Verlust von Ordnungen. Vom 19. bis zum 21. Jh. setzten wesentliche Mentalitätsänderungen ein, man suchte nach Emanzipation von Zwängen und Abhängigkeiten, das Phänomen der Autorität veränderte sich grundlegend.
Auf die Mehrschichtigkeit von Geschichte, auf die Zeitgebundenheit verschiedener Prozesse und Personen, die Vergleiche in der Geschichte unzulässig macht, wird im Gespräch eingegangen. Heute gilt es, mit der noch nicht bewältigten Globalisierung umzugehen, Konflikte aufzuarbeiten, nicht niederzuhalten, um den Frieden in Europa zu sichern und die Vielfalt in Europa als höchstes Gut zu verstehen.
Regina Polak und Richard Richter im Gespräch mit Univ. Prof. Dr. Susanne Heine
Univ.Prof. Dr. Susanne Heine, Vorstand am Institut für Praktische Theologie und Religionspsychologie der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, geht der vielschichtigen Frage nach der Prägung Europas durch das Christentum nach. Dabei zeigt sie auf, dass das Christentum als Staatsreligion, das Europa seit Konstantin dominierte, mit der daraus sich entwickelnden Machtstruktur nicht dem jesuanischen Prinzip entspricht und immer wieder Gegenbewegungen hervorrief. Bei der heute vollzogenen Trennung von Kirche und Staat ist es entscheidende Aufgabe, Pluralismusfähigkeit zu lernen. Der Beitrag das Christentums dazu wäre das Liebesprinzip. Im Umgang mit dem Islam ist religiöse Bildung und gegenseitiger Respekt grundlegend für den Dialog. Information allein hilft nicht gegen Vorurteile, es müssen Begegnungsräume geschaffen werden, um einander kennen zu lernen.
Richard Richter im Gespräch mit Mercedes Echerer
Mercedes Echerer war von 1999-2004 Abgeordnete im EU-Parlament. Von Beruf Schauspielerin und ohne vorherige politische Laufbahn war sie in Brüssel für kulturelle Fragen zuständig. Wesentlich für Europa ist in ihren Augen der Versuch, trotz aller kriegerischen Vergangenheit in der Geschichte, in Frieden miteinander zu leben. Freiheit, Demokratie und Menschenrechte sind die großen Errungenschaften Europas. Auf dieser Basis muss Europa auch in außereuropäischen Konflikten zu vermitteln bestrebt sein. Heutige Krisenherde werden oft als religiöse oder kulturelle Konflikte dargestellt, obwohl oft ein wirtschaftlicher Hintergrund und Probleme der Ressourcen auslösend sind. Die Kulturschaffenden und religiösen Leitfiguren haben die große Aufgabe, bezüglich der Konflikte aufzuklären und sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Wichtig für die EU ist es, mit einer Stimme zu sprechen, in Solidarität zu handeln und ihre außenpolitische Wirksamkeit noch deutlicher sichtbar zu machen.
Dr.Regina Polak im Gespräch mit Richard Richter
Im Gespräch mit MMag, Dr. Regina Polak, Vorstand des Institus für Pastorale Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, steht die Frage, wie man angesichts der vorfindbaren gesellschaftlichen Pluralität zu einem gerechten Zusammenleben kommt, im Mittelpunkt. Die Sorge bezüglich Fremdenfeindlichkeit ruft nach geeigneten Assimilationskonzepten und gemeinsamen Vorgängen, um zu lernen, mit Differenzen gut umzugehen. Wesentlich ist auch die Klärung der Vereinbarkeit von Wahrheit und Pluralität. Das Konkurrenzparadigma ist nicht weiterführend. In der Verschiedenheit liegt das Entwicklungspotential im Gemeinschaftsleben einer pluralen Gesellschaft. Mit Pluralität leben lernen, heißt eine persönliche Entscheidung zu treffen, abseits von Relativismus und Fundamentalismus.
Christian Felber im Gespräch mit Richard Richter
Christian Felber ist Mitbegründer von Attac-Österreich und Publizist. Die Themen seiner beiden letzten viel gelesenen Bücher weisen auf die Schwerpunktthemen des hier aufgezeichneten Gespräches hin: „50 Vorschläge für eine gerechte Welt. Gegen Konzernmacht und Kapitalismus“ (7. Aufl.) und die 2008 erschienene und bereits in 2. Aufl. erschienene Publikation „Neue Werte für die Wirtschaft. Eine Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus“. Im Blick auf die gegenwärtigen Probleme und Krisen, die weltweite Auswirkungen haben, zeigt Felber Hintergründe und Entstehung dieser in ihren Folgen noch uneinschätzbaren Situation auf. Themen wie das Verhältnis von Ökonomie und Politik, der Markt als staatliches Produkt versus Trennung von Markt und Staat im Neoliberalismus, Bündnis von Sozialstaat und Kapital im Gegensatz zum freien Markt, der sich jeder Staatsverordnung entziehen kann, das Verhältnis von Finanzvermögen und realer Wirtschaft werden kompetent aufgerollt. Abschließend wird die Politik der EU und deren neoliberale Strategien kritisch beleuchtet.
Barbara Coudenhove-Calergi im Gespräch mit Richard Richter
Barbara Coudenhove-Calergi, langjährige Journalistin beim ORF und mehrere Jahre ORF-Redakteurin in Tschechien ist selbst in Prag geboren und mit Geschichte und Kultur des Landes bestens vertraut. Sie zeigt mehrere Schlüsselstellen der historischen Belastungen im Verhältnis Österreich – Tschechien auf. Ein Teil des Gespräches ist der Zeit nach 1989 und dem Eintritt in die EU gewidmet. Es wird ein tieferer Einblick in manche Aspekte Tschechiens eröffnet.
Univ. Prof. Dr. Andreas Novy im Gespräch mit Richard Richter
Andreas Novy, Ökonom und Sozialwissenschaftler, Universitätsprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien, führt auf sehr differenzierte Weise in Fragen bezüglich des Verhältnisses eines geeinten Europas und der dabei zu integrierenden Nationalstaaten ein. Mit großer Sachkenntnis zeigt er historische Entwicklungsprozesse auf, wobei auf die Französische Revolution als Schlüsselereignis verwiesen wird. Auch das Themenfeld Osterweiterung wird sehr differenziert im Blick auf die Räume West-, Ostmittel- und Osteuropa behandelt. In seinen Ausführungen verweist Novy auf positive und negative Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts, die auch im 21. Jahrhundert fortwirken. Der Prozess der europäischen Integration ist ein grenzüberschreitendes Friedensprojekt, das manche bisherigen Vorstellungen und Modelle in Frage stellt und Ambivalenzen sichtbar werden lässt.
Hilde Ehrenberger im Gespräch mit Richard Richter
Hilde Ehrenberger, Erwachsenenbildnerin, Gesprächstherapeutin und Schriftstellerin, schildert ihre persönlichen Erfahrungen in den Vorkriegs- und Kriegsjahren. Als Kind in einer Klosterschule erlebte sie in der Zeit der Machtübernahme der Nationalsozialisten die bedrohliche und beängstigende Stimmung, die sich immer mehr ausbreitete. Gerade auf dem Hintergrund der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs ist die Bedeutung des Friedensprojektes Europa nicht hoch genug einzuschätzen.
Weiterlesen
Univ. Prof. Dr. Christa Schnabl im Gespräch mit Richard Richter und Regina Polak
Christa Schnabl, Vizerektorin der Universität Wien und Professorin am Institut für Sozialethik der Katholisch-Theologischen Fakultät, sieht in den Menschenrechten eine zentrale Bestimmung für Europa. Sie wurden aus der europäischen Geschichte heraus festgelegt und sind als Lernprozess aus der europäischen Leidensgeschichte hervorgegangen. Im Gespräch legt Schnabl verschiedene Gerechtigkeitsvorstellungen dar. Thema ist auch die Frage, wie Gerechtigkeit im sozialen Gefüge garantiert und umgesetzt werden kann. Ein wichtiger Beitrag ist hier in der christlichen Tradition zu sehen, in deren Verständnis es keine Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit gibt. Für den politischen Diskurs ist die Frage entscheidend, wie Beteiligung, Partizipation und Solidarität im öffentlichen Raum verwirklicht werden können.