Wir leben in einer neuen Zeitordnung. Sukzessive greift die Marktökonomie auf das ganze Leben zu: Das Individuum muss sich permanent selbst kontrollieren und auf den Markt und seine Erfordernisse ausrichten. Zeitsouveränität und damit Lebenszeit gehen verloren: ob im Studium, im Erwerb oder in der Arbeitslosigkeit. Bemerkungen zu einer sehr problematischen Entwicklung von Karl Reitter.
Wenn wir die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung mit den vergangenen letzten Jahrzehnten vergleichen, so bemerken wir eine veränderte Zeitordnung. Noch bis in die 80er und 90er Jahre war das gesellschaftliche, soziale und ökonomische Leben zumeist durch klar definierte Zeitphasen gekennzeichnet. In Produktion und Verwaltung dominierten geregelte Arbeitszeiten, oftmals penibel mit der Stechuhr gemessen.
Arbeitszeit und Überstunden wurden sorgfältig aufgezeichnet, die Fabriksirene verkündetet auf die Minute genau ihr Ende und den Beginn der Freizeit. Die Öffnungszeiten der Geschäfte waren strikt geregt, Samstag Punkt 12 Uhr schlossen die Pforten, das Wochenende begann. Aber nicht nur der Tagesund der Wochenablauf, auch die Lebenszeit bestimmte ein zeitlicher Rhythmus. Auf die Schul- und Ausbildungszeit folgte die Zeit der Berufsausübung.
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